Schreiben statt schweigen – Erinnerungen an Harriet Beecher Stowe

Harriet Beecher Stowe – Gemälde von Alanson Fisher, 1853, National Portrait Gallery Washington, D.C.

Fünfzehn Jahre ist es jetzt her, dass meine biografische Erzählung Eine kleine Lady im Brunnen Verlag erschien – pünktlich zum 200. Geburtstag der Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe. Wenn ich Freund:innen und Bekannten von dem Projekt erzählte, war die Reaktion oftmals: „Harriet wer?“ Doch wenn ich dann den Titel des Buches nannte, durch das Stowe berühmt wurde, ging meinem Gegenüber ein Licht auf: Onkel Toms Hütte.

Stowe erzählt in ihrem Roman mit viel Herz für die Menschen und aus tiefem christlichem Glauben heraus die Geschichte des Sklaven Tom, der von seiner Familie getrennt wird, als er verkauft wird. Der neue Eigentümer, Mr Shelby, wendet sich von der Sklaverei ab und verspricht, Tom freizulassen, aber nach dem Tod seines Herrn verkauft dessen Witwe ihn an einen grausamen Plantagenbesitzer, der ihn brechen will – ihn und seinen Glauben an Gott. Tom überlebt die brutale Folter nicht, aber Shelbys Sohn lässt am Ende seine Sklaven frei, um dem Versprechen seines Vaters gerecht zu werden.

Titelseite des Romans Uncle Tom’s Cabin. Quelle: wikimedia commons, public domain.

Nach der Veröffentlichung von Onkel Toms Hütte im Jahr 1852, das sich allein im ersten Jahr nach Erscheinen mehr als 300 000 mal verkaufte, wurde die Frage der Sklaverei zunehmend zum zentralen Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten, bis 1861 der Sezessionskrieg ausbrach. Der Legende nach soll Abraham Lincoln, als er die Autorin empfing, gesagt haben: „Sie sind also die kleine Lady, die diesen großen Krieg angefangen hat.“ Vielleicht ist es so gewesen, vielleicht auch nicht. Aber eins steht fest: Mit ihrem Roman, der vom Schicksal der versklavten Menschen in Nordamerika erzählte, berührte Harriet Beecher Stowe die Herzen ihrer Leser:innen nachhaltig und ebnete damit dem erfolgreichen Kampf gegen die Sklaverei den Weg.

Ich freue mich sehr, dass meine kleine Erzählung in diesem Sommer bei St. Benno neu aufgelegt wurde. Und ich bin ein bisschen stolz darauf, dass ich mit Eine kleine Lady an eine Frau erinnern darf, die ihr Talent genutzt hat, um öffentlich für Gerechtigkeit und christliche Werte einzutreten. Die Zeiten, in denen es darum geht, für die Rechte aller Menschen zu kämpfen und die Stimme zu erheben, wenn Rassismus und Gewalt die Oberhand gewinnen, sind leider noch immer nicht vorbei – auf beiden Seiten des Atlantiks. Und auch wenn es heute nichts Besonderes mehr ist, wenn Frauen literarische Spuren hinterlassen, sind die Worte von Harriet Beecher Stowe bedenkenswert wie eh und je: „Ich glaube, jetzt ist die Zeit gekommen, in der selbst Frauen und Kinder, die das Wort für Freiheit und Menschlichkeit ergreifen können, reden müssen … Ich hoffe, keine Frau, die schreiben kann, wird schweigen.“[1]

Buchcover der neuen Ausgabe, St. Benno, 2026

[1] Hedrick, Joan D. (1994). Harriet Beecher Stowe: A Life. Oxford University Press, S. 208. (Zitat übers. v. D. Dziewas)


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